Adam Riese

Der Unterhaltungskünstler Adam Riese ist seit 2007 in Münster Gastgeber der nach ihm benannten Talkshow. In der „Adam Riese Show“ verbindet er niveauvolles Entertainment mit Talk, Spielen und Musik. Riese spricht mit illustren Gästen über interessante Lebensstationen. Steffen Henssler, Lisa Feller oder Götz Alsmann saßen schon auf seiner Couch. Musikalische oder kabarettistische Einlagen sowie Filmeinspielungen runden das kurzweilige Programm ab.

Schon in den 80er Jahren wurde Adam Riese als Sänger von Punkrock-Bands wie Die Fidelen Schwager oder Äni(x)Väx populär. Vor allem Äni(x)Väx spielten spektakuläre Konzerte in allen Winkeln der Republik. Die Herren tanzten in Käfigen. prämierten das dümmste Gesicht des Abends oder sauten beim Abschiedskonzert 1988 ihre Stammdisco, das münstersche Odeon, komplett mit Pizza ein. Die Presse war von dem bunten Treiben nicht durchgehend begeistert. „Äni(x)Väx: Nur Geschrei und Gedröhne“ lautete dementsprechend eine Schlagzeile in der Münsterschen Zeitung.

Seit rund 35 Jahren ist Riese Moderator. Angefangen hat er als Haus-Conférencier im Odeon. Hier sagte er Bands wie die Red Hot Chili Peppers, die Toten Hosen oder die Ärzte an. Oder die Einstürzenden Neubauten beim Eröffnungskonzert der Skulptur Projekte 1987. Später folgten die „Bad Taste Parties“ im Odeon, bei denen der schlechte Geschmack zelebriert wurde. Adam Riese war der Entertainer, begrüßte unsägliche Alleinunterhalter oder moderierte Persiflagen auf bekannte TV-Shows. Als DJ legte er in den 90ern Punk oder deutschen Schlager auf. An manchen Abenden auch beides durcheinander. Bis heute moderiert Riese Musikfestivals, Filmpremieren oder andere Großveranstaltungen

2001 schuf Adam Riese ein Internetlexikon über Münsters Kulturszene der 80er Jahre. Ende 2004 dokumentierte er sein Münster-Wissen als Schöpfer des „Citywalk Münster“, eines akustischen Stadtführer im Hörbuch-Format. 2006 folgte der Kultur- und Stadtführer „Das Münsterbuch“ mit Christa Farwick, der mittlerweile in der sechsten Auflage vorliegt. 2015 erschien das Kinderbuch „Entdecke Münster“ mit Heiko Werning. Gelegentlich trägt Adam Riese bei Lesungen aus seinen Werken vor.

5 Fragen an: Adam Riese

Dein Festival-Projekt in zwei Sätzen?

Ich darf jeweils am Samstagabend ein Vier-Augen-Gespräch mit einem Menschen führen, in dessen Leben Demokratie – oder vielmehr das Fehlen von Demokratie – eine wichtige Rolle spielt. Das sind am 2. Oktober Udo Lielischkies, einstiger Leiter des ARD-Fernsehstudios Moskau, und am 9. Oktober, Geralf Pochop, der als Punk in der DDR böse Erfahrungen mit der Stasi gemacht hat.

Was hat dich zu diesem Beitrag inspiriert?

Als mir Carola von Seckendorff und Cornelia Kupferschmid die Möglichkeit offenbarten, mich beim Festival der Demokratie einbringen zu dürfen, hatte ich spontan den Wunsch, mich in dem mir vertrauten Format einer Talkshow mit Menschen zu unterhalten, die einen Mangel an Demokratie erfahren haben. Und da sind mir sehr schnell Udo Lielischkies und Geralf Pochop eingefallen.
Udo Lielischkies hatte mich im März 2018 nach Moskau eingeladen, wo er zu der Zeit das ARD-Hauptstadtstudio leitete. Er gewährte mir erstaunliche Einblicke hinter die Kulissen russischer Politik und das spannende Alltagsleben Moskaus. Über die demokratischen Mängel in Putins Systems schreibt er auch in seinem aktuellen Buch „Im Schatten des Kreml“.
Gerolf Pochop habe ich im Sommer 2018 als Sänger der Punkband „Gleichlaufschwankung“ kennen und schätzen gelernt. Umgehauen hat mich dann die Lektüre seines Buchs „Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression.“ Darin erzählt er wie er als DDR-Punk ins Visier des Staatssicherheitsdienstes geriet, seinen Weg aber unbeirrt weiterging, obwohl er starken Repressalien ausgesetzt war und sogar im Gefängnis landete.

Was bedeutet Demokratie für dich?

Ich habe viele Freundinnen und Freunde in der Türkei. Seit Erdoğan den türkischen Staat sukzessive aus der Demokratie herausführt und die Meinungsfreiheit abgeschafft hat, durfte ich erleben, was das für das Leben der Menschen dort bedeutet. Das zieht sich durch bis hin zu ganz alltäglichen Situationen, in denen man beim Restaurantbesuch nicht mehr über Politik spricht, weil man nie weiß, wer am Nachbartisch sitzt. In dem Bewusstsein, dass es Staaten gibt, in denen die Verhältnisse noch viel verheerender sind, empfinde ich es als Geschenk, in Demokratie leben zu dürfen.

Welche Rolle spielt Kunst in einer demokratischen Gesellschaft?

In nicht-demokratischen Gesellschaften kann Kunst und Kultur dazu beitragen, aufzuklären und gegen die bestehenden Verhältnisse zu protestieren. Dort wo Demokratie gelebt wird, kann die Kunst helfen, demokratische Mängel aufzuweisen und zur Optimierung der Verhältnisse beizutragen. Das kann offensichtlich, indirekt und auch mal mit Humor geschehen.

Was macht Corona mit der Demokratie (und unserem Festival)?

Corona stellt die Demokratie auf die Probe. Der Lockdown und die damit verbunden Maßnahmen haben unsere Grundrechte tangiert. Viele Personengruppen wie ältere Menschen, Gastronomen und Kulturschaffende hat das hart getroffen. Dennoch gab es zu den Maßnahmen keine Alternative. Nur so haben wir es in Deutschland geschafft, dass die Auswirkungen von Corona vergleichsweise gering geblieben sind. So ärgerlich das Verschieben des Festivals der Demokratie ist, halte ich das vor diesem Hintergrund für verschmerzbar. Außerdem können wir uns so ein Jahr länger darauf freuen.
Zur Demokratie gehört es auch, dass wir Verschwörungstheorien und ihre Anhänger ertragen müssen. Natürlich gönne ich jedem Menschen seine eigene Meinung. Aber wer gegen Abstandsregeln und Maskenpflicht demonstriert, gefährdet Menschenleben. Auf hochwissenschaftlichen Fachforen wie Facebook und YouTube werden Coronatote verharmlost, der Bundesregierung wird vorgeworfen, sie wolle uns alle vernichten, und es werden unsägliche Vergleiche zur NS-Zeit angestellt. So etwas zu hören oder zu lesen, finde ich schwer erträglich. Zum Glück ist die Anzahl solcher Spinnerinnen und Spinner in Münster vergleichsweise gering. Aber wie toll unsere Stadt ist, sehen wir ja schon seit Jahren bei jeder Wahl am Abschneiden der AfD.