Künstler­*innen

Programm

Rieses kleiner Talk

Zu einem spannenden Vier-Augen-Gespräch lädt Münsters Talkmaster Adam Riese jeweils einen Menschen ein, in dessen Leben Demokratie – oder vielmehr das Fehlen von Demokratie – eine wichtige Rolle spielt. Am 2. Oktober um 20:15 Uhr ist sein Gast Udo Lielischkies, einstiger Leiter des ARD-Fernsehstudios Moskau. Am 9. Oktober um kommt 20:15 Uhr Geralf Pochop ins Pumpenhaus, der als Punk in der DDR böse Erfahrungen mit der Stasi gemacht hat.

Udo Lielischkies

Udo Lielischkies kennt Russland wie nur wenige ‒ seit Wladimir Putin an die Macht kam, berichtete er für die ARD aus dem riesigen Land. In seinem Buch „Im Schatten des Kreml – Unterwegs in Putins Russland“ schreibt er über die Politik des Kreml, das Leben in der atemlosen Metropole Moskau, vor allem aber ‒ mit viel Empathie ‒ über beeindruckende Menschen in den Weiten der russischen Provinz: Den kämpferischen Landarzt im Ural, den todesmutigen Reporter in Togliatti, die Bauern im südlichen Krasnodar, denen Agrarkonzerne die Ernte stehlen, und den gefangenen Soldaten im Tschetschenienkrieg.
Beim Festival der Demokratie will Lielischkies seinen bestechenden, authentischen Blick auf das heutige Russland mit den Zuschauern teilen.

Er begann als Wirtschaftsredakteur beim WDR-Hörfunk. Udo Lielischkies arbeitete dort als Redakteur der Verbrauchersendung „Quintessenz“ und moderierte das Morgenmagazin. Später machte er beim Fernsehen Karriere, zum Beispiel beim Verbrauchermagazin „Markt“ im WDR. 1994 wurde er Europa- und NATO-Korrespondent im ARD-Studio Brüssel. In diese Zeit fallen auch gefährliche Einsätze im Krieg in Bosnien und im Kosovo während des Abzugs serbischer Freischärler. Von Brüssel wechselte er nach Moskau. Seit 2006 war er Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Washington und ein Jahr später auch dessen stellvertretender Leiter. Im August 2012 kehrte er als Leiter des ARD-Hauptstadtstudios nach Moskau zurück.

Vor zwei Jahren ging Udo Lielischkies in den Ruhestand und lebt nun mit seiner Familie in der Nähe seiner Geburtsstadt Köln.
Er gilt immer noch als einer der besten Russland-Kenner; für seine Berichte und Reportagen hat er zahlreiche Auszeichnungen bekommen. So ist er bis heute ein gefragter Talkshow-Gast.

Geralf Pochop

„Punk war das Beste, was uns in der DDR passieren konnte. Wir wurden diskriminiert, gejagt und willkürlich weggesperrt, trotzdem waren wir freier als alle anderen. Es war die intensivste Zeit meines Lebens.“ Geralf Pochop

Geralf Pochop hat seine Erlebnisse als Punk in der Deutschen Demokratischen Republik niedergeschrieben in dem Buch „Untergrund war Strategie. Punk in der DDR: Zwischen Rebellion und Repression.“ 1964 in Halle an der Saale geboren, wurde er mit 18 Hausbesetzer und schloss erste Kontakte zur Punkszene. Pochop engagierte sich in der unabhängigen DDR-Friedensbewegung und geriet wegen Tragens des Aufnähers „Schwerter zu Pflugscharen“ ins Visier des Staatssicherheitsdienstes. Von seinem bewegten Leben als DDR-Punk will er beim Festival der Demokratie erzählen.

1983 wurde er bei dem Versuch der Bildung einer Menschenkette zwischen Sowjet- und USA-Botschaft im Zusammenhang des DDR-Besuches der Grünen erstmalig verhaftet. Ab dem Jahr drauf war Pochop aktives Mitglied der DDR-Punkbewegung, organisierte Konzerte im kirchlichen Raum und erhielt Berufsverbot. 1986 versuchte das Ministerium für Staatssicherheit, ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) anzuwerben. Er lehnte ab und stellte daraufhin einen Ausreiseantrag. Im Oktober 1987 kam er zum zweiten Mal unter dem Vorwurf „öffentlicher Herabwürdigung, Verleumdung und Beleidigung des Staates, staatlicher Institutionen und ihrer Mitarbeiter“ ins Gefängnis und wurde zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt.

Nach seiner Haftentlassung engagierte sich der Wehrdiensttotalverweigerer weiter als Mitorganisator von Punk-Konzerten und agierte als Mitautor und Verteiler der Untergrundzeitung „mOAning star“. Im Mai 1989 durfte Pochop kurz vor den manipulierten DDR-Kommunalwahlen im Zuge der Aktion „Symbol 89“ aus der DDR ausreisen. Heute lebt er im sächsischen Torgau, geht mit einer multimedialen Zeitzeugenlesung auf Tournee und singt in der Punkband „Gleichlaufschwankung“.

ZIELGRUPPE

ab 16 Jahren