Künstler­*innen

Programm

Video-/Audioausstellung UpRising

Wie schützt sich eine demokratische Gesellschaft vor ihrem Abbau? Kann die Abstumpfung gegenüber dem Elend anderer unsere Demokratie aushöhlen?

Die Ausstellung reagiert auf den Text Human Acts der südkoreanischen Schriftstellerin Han Kang auf (auf Deutsch Menschenwerk). Der Roman schildert das Ersticken der südkoreanischen Demokratiebewegung gegen den Putsch des Generals Chun und die traumatischen Erlebnisse junger Menschen, die während des Massakers von Gwangju im Mai 1980 verfolgt, gefoltert und ermordet werden, sowie die Perspektive der Überlebenden. Durch den Roman zieht sich ein roter Faden um das Bedeutungsfeld „herauskommen“, „hervortreten“, „sich melden“, „auf-steigen“, „Oberfläche“, „aufstehen“, „Aufstand“ – auch darauf soll künstlerisch reagiert werden: Ein aktueller Bezug in dieser Video-/ Audio-ausstellung ist die Traumatisierung der geflüchteten Menschen, die zur Zeit nach Europa kommen. Egal, ob sie wieder in ihre Heimat zurückkehren (müssen) oder in ihrer neuen Heimat (?) bleiben dürfen, es stellt sich immer die Frage, wie die sie umgebende Gesellschaft auf die Traumatisierung reagiert, ob es eine Chance zur Aufarbeitung und Integration gibt.

In der Video- und Audioinstallation werden die Stimmen aus dem Roman, nämlich die der Folteropfer, sowie der Freunde, die sie suchen und die eingeschüchtert werden, und die der Überlebenden, die mit ihrem Überleben nicht fertig werden, die an dem Schweigen und der Nicht-Integration in die Gesellschaft (erst 1997 wurden die Ereignisse aufgearbeitet) scheitern, zu hören sein. Auf einem MP3-Player hört man sie über das Geschehene sprechen, gemischt mit atmosphärischen Sounds und anderen Texten (z.B. einem Ausschnitt aus dem berühmten Text von Thomas Nagel What is it like to be a bat über die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen). Die unterschiedlichen Perspektiven der Opfer auf das Erlebte tauchen eindringlich aus dem Dunkel der Vergangenheit auf. Die Videokunst der international ausstellenden und preisgekrönten Künstlerin Gilsuk Ko reagiert auf die Texte mit befremdlich-berückenden Videos, die kathartische Wirkung haben können. Die Versetzung in einen anderen geschichtlichen und kulturellen Raum eröffnet eine Dimension des Dystopischen, die das Versagen demokratischer Verhaltensweisen in denkbare Nähe rückt. Der Gang durch die Ausstellung bietet eine intellektuelle und zugleich berührende Reise.

theater en face / Xenia Multmeier

Zielgruppe

ab 14 Jahren

Team

Gilsuk Ko, Video
Xenia Multmeier, Konzept, Regie und Montage
Marion Bertling, Sprecherin
Andreas Ladwig, Sprecher
Uwe Rasch, Sprecher
Udo Herbst, Musik

Kooperationen

Gilsuk Ko (Videoperformance)

Werkstatt Demokratie

»UpRising« ist als Teil der Werkstatt Demokratie hier zu sehen »