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Programm

Wie schreibt man Dähmucrati?

Demokratie ist nicht selbstverständlich. Auch dort, wo sie längst verwirklicht scheint, mehren sich Zweifel: Haben wir überhaupt Einfluss auf politische Entscheidungen? Was tun gegen die Spaltung unserer Gesellschaft? Können wir uns angesichts der drohenden Klimakatastrophe demokratische Entscheidungen überhaupt noch leisten?

Studierende des germanistischen Instituts (WWU) suchen die Auseinandersetzung mit Demokratie in der „Lyrik von Jetzt“. Gerade die Postpoplyrik der Gegenwart erweist sich mit ihrem ausgeprägten, durch die digitale Revolution verstärkten Archivbewusstsein immer wieder als „Sand im Getriebe der eingespielten ökonomischen und gesellschaftlichen Mechanismen“, als „Versuchslabor für Entscheidungs- und Urteilsfindung“ (Christian Metz). Die Gedichte beispielsweise von Uljana Wolf, Sabine Scho, Monika Rinck, Jan Wagner und Daniel Falb schauen der Gegenwart ins Gesicht – und sie machen eine Phalanx von Herausforderungen für die Demokratie sichtbar: unverrottete faschistische Bodensätze, ungebremster Anthropozentrismus, Selbstausbeutung bis zur totalen Erschöpfung, medialer Overkill. Dagegen setzen sie die Genauigkeit des Blicks, der Sprache, zugleich die produktive Unschärfe, eine „Kultur der (Gedanken-)Sprünge“, den „Optimierungsungehorsam“ (Metz).

Die intensive Lektüre ausgewählter Gedichte bildet den Ausgangspunkt für das eigene Schreiben. Eigene lyrische Texte entstehen. In Zusammenarbeit mit Studierenden der Musikhochschule werden dann neue, unvertraute performative Wege jenseits des bloßen ‚Lesens‘ ausprobiert.